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Das Hofgut Brachenreuthe

Das Hofgut Brachenreuthe ist ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb, welcher von einer Landwirtsfamilie mit vier Kindern, einem Gesellen und einem Lehrling bewirtschaftet wird. Unser Ziel ist es qualitativ hochwertige biologisch-dynamische Lebensmittel zu produzieren sowie heilpädagogisch wertvolle Arbeit zu ermöglichen. Wir möchten das Lebendige für unsere Schüler erlebbar machen und ihnen die Möglichkeit geben, Zusammenhänge zu schauen.

42 ha Land werden vom Hofgut Brachenreuthe bewirtschaftet: 27 ha Grünland, 14 ha Ackerland und 0,6 ha Intensivobst. Zur Zeit werden in einer siebengliedrigen Fruchtfolge Luzerne, Weizen, Gemüse, Hafer, Roggen und Triticale angebaut. Das Speisegetreide wird an die Bäckerei der Camphill Dorfgemeinschaft Lehenhof verkauft und dort zu Brot verbacken, welches unter dem regionalen Saatgut-Label vermarktet wird. Im Feldgemüse bauen wir ca. 1 ha Hokkaidokürbisse an und ca. 0,5 ha verschiedene Gemüse für den Eigenbedarf der Camphill Schulgemeinschaft Brachenreuthe. Das Gemüse wird gemeinsam mit Schülern gepflegt, geerntet und für den Verkauf aufbereitet. Einmal pro Woche werden dann alle Häuser mit frischem Gemüse versorgt.

In einem ca. 100-jährigen Anbindestall halten wir 12 Braunviehkühe samt deren Nachzucht. Die männlichen Kälber werden mit 6 – 8 Monaten geschlachtet und in der Einrichtung vermarktet, die weiblichen Tiere dienen zur Bestandsergänzung der Milchviehherde. Wir füttern unsere Kühe ausschließlich mit Heu, Getreide und Grünmehlpelletts. Silage wird nicht an die Kühe verfüttert, so dass wir eine außergewöhnliche Milchqualität erzeugen, welche auch für die Produktion von Emmentalerkäse geeignet ist. Im Sommer haben unsere Kühe selbstverständlich Weidegang und werden im Stall mit frischer Luzerne gefüttert. Auch unsere Schweine haben einen großzügigen Auslauf, in dem sie wühlen und suhlen können. Wir schlachten ca. 15 Schweine im Jahr für den Eigenbedarf.

Zu unserem Engagement für die Erhaltung der typischen Landschaft des Bodenseeraumes gehört neben der Tierhaltung auch die Anlage und Pflege der Hecken. Wir versuchen Hecken wieder auf eine Schnaitelnutzung zu erziehen, um die natürliche Verjüngung der Hecken zu gewährleisten und gleichzeitig das Laub für die wertvolle Fütterung unserer Tiere zu nutzen. Im Laub sind viele Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten, die für die artgemäße Ernährung der Rinder notwendig sind. Durch die Bereitung des Laubheus können wir diese Inhaltsstoffe unseren Tieren auch im Winter zur Verfügung stellen, ohne auf künstliches Mineralfutter zurückgreifen zu müssen. Die Schnaitelnutzung ist eine alte Kulturmaßnahme, welche besonders im süddeutschen und Alpenraum verbreitet war, aber auch in Norddeutschland findet man noch alte Schnaitelformen z.B. in den Knicks- und Kopfweiden.

Neben der Pflege der alten Kulturtechniken sind wir auch dabei, unseren Maschinenpark den Anforderungen einer modernen Landwirtschaft anzupassen. Wir werden viele alte Maschinen nicht mehr erneuern, sondern setzen auch im Maschinenbereich auf enge Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn. Um dies zu ermöglichen haben wir einen neuen großen Traktor angeschafft, dessen Leistung so bemessen ist, dass er auch die Maschinen der Nachbarn ziehen kann. Im Bereich der Futterwerbung haben wir in neue Maschinen investiert, welche von unseren Nachbarn mitgenutzt werden. Durch eine sinnvolle Zusammenarbeit hoffen wir Rationalisierungseffekte zu erziehen und somit die Produktionskosten deutlich zu senken. Der Austausch mit unseren Nachbarn auch auf anderen Ebenen ist uns sehr wichtig um das Hofgut Brachenreuthe wieder in den biologisch-dynamischen Zusammenhang der Bodenseehöfe zu stellen. So engagieren wir uns z.B. in der Landbauschule sowie der Demeter Milchbauerngemeinschaft Bodensee und natürlich auch im Bündnis für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise Bodensee.

Eine wesentliche Aufgabe des Hofgutes Brachenreuthe besteht in der Arbeit mit unseren hier lebenden Kindern und Jugendlichen. Die vielfältigen Begabungen und Behinderungen der Schüler erfordern sehr individuelle Angebote. Es gibt Schüler, die Mühe haben einen Apfel vom Boden aufzuheben, und andere, die selbständig die Kälber und Schweine versorgen können. Zwischen dieser Spannweite an Fähigkeiten bewegen sich die Schüler und für jeden möchten wir Erfahrungs- und Erlebnismöglichkeiten in der Landwirtschaft anbieten. Ziel ist es, den Schülern das Lebendige näher zu bringen. Sie sollen Verantwortung für die Tiere, Pflanzen und die Erde erleben und dabei ihre praktischen, moralischen und sozialen Fähigkeiten weiterentwickeln. Die Notwendigkeit der Arbeit ist dabei ein ganz zentrales Element, was die Arbeit in einer produzierenden Landwirtschaft so wertvoll macht.

Um diese Erfahrungen für alle Schüler zu ermöglichen, bedarf es eines vielseitigen Angebots: Ein Landwirtschaftspädagoge arbeitet vormittags mit einzelnen Klassen auf dem Hof. Die Arbeit hat einen klaren heilpädagogischen Schwerpunkt; die Produktivität steht im Hindergrund. In diesen Epochen werden, je nach Fähigkeiten und Alter der Schüler, Hecken geschnitten, Laubheu bereitet, Futter gerichtet, Tiere gestriegelt, Ställe ausgemistet, Milch verarbeitet, Gemüse und Obst geerntet, Marmeladen gekocht, Gras gesenst und dann gereutert um später als Heu in die Scheune gebracht zu werden und vieles mehr. Hier finden sowohl die jüngeren als auch die schwächeren Schüler ihre Anknüpfungspunkte an die Landwirtschaft.

Zu jeder Stallzeit (morgens und abends) kommen einzelne Schüler in den Stall, um beim Melken und Füttern der Kühe zu helfen. Die Schüler werden von den landwirtschaftlichen Mitarbeitern betreut und müssen sich in die Produktionsabläufe eingliedern.

Im Rahmen der Berufschulstufe bieten wir Berufspraktika für einzelne Schüler an. Die Schüler arbeiten zwei bis drei Wochen lang von morgens bis abends in der Landwirtschaft mit und werden auch hier von den landwirtschaftlichen Mitarbeitern betreut. Während dieser Praktika müssen sich die Schüler ganz in die Arbeitsabläufe eingliedern, die landwirtschaftliche Produktion steht im Vordergrund. Die Jugendlichen sollen erleben, was es bedeutet in der Landwirtschaft zu arbeiten, und auch den Willen und die Kraft aufbringen, den ganzen Tag körperlich zu arbeiten. Wir verstehen diese Zeit auch als Vorbereitung auf externe Praktika, welche die Schüler in den Folgejahren absolvieren sollen.

Nach Beendigung der Berufschulstufe gibt es zurzeit noch die Möglichkeit, ein Werkstattjahr in Brachenreuthe zu absolvieren. Die jungen Erwachsenen arbeiten in unserer kleinen Gärtnerei in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Sie werden einerseits individuell durch einen sowohl gärtnerischen als auch pädagogisch qualifizierten Mitarbeiter gefördert, stehen aber auch in der Verantwortung für das Land und die Produktion von Gemüse für die Einrichtung. Viele Arbeiten in der landwirtschaftlichen Produktion werden von Schülern im Werkstattjahr übernommen, und die Landwirtschaft unterstützt das Werkstattjahr bei maschinellen Arbeiten sowie der Bereitstellung von Anbaufläche in der landwirtschaftlichen Fruchtfolge. Die Symbiose dieser Bereiche ist schon jetzt sehr fruchtbar.

Um diese vielfältigen Aktivitäten, welche sich in und um die Landwirtschaft gebildet haben zu erhalten, und das Hofgut Brachenreuthe in die Zukunft führen zu können, planen wir den Neubau eines Stalles und der landwirtschaftlichen Gebäude. Wir müssen gewährleisten, dass unsere Haltungsbedingungen den strengen Auflagen des ökologischen Landbaus entsprechen und die Produktivität dem 21. Jahrhundert angemessen ist. Gleichzeitig wollen wir nicht die pädagogisch und gesellschaftlich wertvollen, alten Kulturtechniken vernachlässigen. Denn eine unserer wesentlichen Aufgaben ist es, den Anschluss ans Lebendige für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. Wir müssen Hüllen schaffen für die Kinder und Jugendlichen und gleichzeitig Luft und Licht für unsere Tiere. Wir brauchen klar abgegrenzte Räume für die Kinder und doch genügend Platz für moderne landwirtschaftliche Maschinen. Den Spagat zwischen landwirtschaftlicher Produktion und heilpädagogischer Arbeit wollen wir auf dem Hofgut in Brachenreuthe wagen.

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